Ausschweifende Erinnerungen (Erzählungen) eines Küchenburschen

 

Der heutige Tag ist mein allerletzter Arbeitstag hier, in der “Sonne”. Dieser Gasthof hat mein Leben geprägt und gerne nehme ich mir diesen Augenblick, da gerade keine Arbeit ansteht, um meine Erlebnisse hier vor meinem inneren Auge noch einmal Revue passieren zu lassen. Ich bin so zufrieden, so glücklich, meine letzten Dienste hier, im Hotel “Sonne”, verrichten zu dürfen. In meinem Leben habe ich an vielen Orten gearbeitet, doch die “Sonne” war immer meine beste Wahl. Nirgends sonst in der Umgebung wusste man so luxuriös Hochzeitsfeste zu organisieren, und in keiner anderen Wirtschaft sind mir so viele verschiedene Persönlichkeiten begegnet. Ich hätte nichts dagegen, noch weitere Jahre in diesem hübschen Betrieb zu verbringen, doch ich bin nun 60 und es ist nur recht, wenn ich meinen Platz als Küchenbursche einem flinkeren Mann überlasse. So, wie ich es auch war, als ich zum ersten Mal meine Füsse in diese Wirtschaft setzte.

 

Damals, anno 1893, war ich 18 Jahre alt, kam aus einer Bauernfamilie aus der Region und war neugierig, die Welt zu entdecken. Ich war der jüngste von fünf Brüdern und mächtig stolz, in einem so renommierten Betrieb wie der “Sonne” meine Dienste als Küchenbursche zu verrichten. Wegen meinem Asthma hatte ich meinen Brüdern bei Leibesübungen nie das Wasser reichen können, ich war nicht wehrdienstfähig und blieb immer der Kleinste der Familie. Mit dieser Anstellung hatte ich meinen Brüdern zum ersten Mal etwas Voraus. Von dem Wirt, Eduard Guggenbühl-Brunner, der erste Guggenbühl mit diesem Vornamen, hatte ich nur das Beste gehört. Er war weit in der ganzen Region als „Urbild eines gemütvollen Wirtes“ bekannt, tausende froher Gäste empfing er freundlich am Schiffsteg, lüftete sein gesticktes Käppchen und begrüsste die Ankommenden mit einem feinen verschmitzten Lächeln. Ich erinnere mich gut an das freundliche Glänzen seiner gescheiten Augen, wenn die Gäste sich’s in grossen Scharen unter den schattenspendenden Bäumen gemütlich machten, um dort für einige Stunden sich des Lebens zu erfreuen und ich werde nicht vergessen, wie er nach einem von ihm arrangierten, gelungenen Hochzeitsfest im grossen Saal als letzter noch beim Kutschenschlag stand, um dem die Hochzeitsreise beginnenden Paar Glück auf den ganzen Lebensweg zu wünschen. Eduard Guggenbühl-Brunner, der mit 36 den Familienbetrieb der “Sonne” übernommen hatte, wusste, die wichtigen Leute der Zürcher Geschichte an sich zu ziehen. So feierten unter anderen die Historiker Wilhelm Tobler-Meyer und Heinrich Zeller-Werdmüller sowie der bedeutende Industrielle und Förderer Hans Wunderly-von Muralt oder Alfred Escher, der Staatsmann und Wirtschaftsführer, hier ihre Hochzeitfeste.

 

Allerdings darf man nicht vergessen, dass es nicht allein Eduard Guggenbühl-Brunners Verdienst war, der für den guten Ruf des Hauses verantwortlich war. Feste bei Guggenbühls in der “Sonne“ zu feiern, das war wahrhaftig eine fast zweihundert jährige Tradition, denn bereits 1711 ehelichte der 21-jährige Heinrich Guggenbühl Elisabeth Alder, die Tochter des damaligen Sonnenwirtes und schon nach drei Jahren vermochten die jungen Eheleute das Wirtshaus zu kaufen, zusammen mit den dazugehörenden Bestallungen, dem Hühnerhof, dem Holzschopf und dem umliegenden Land. Auch die Bäckerei und natürlich die Metzgerei, die mit dem Haus verbunden war und deren gute Würste bis zum Kloster in Engelberg bekannt waren, gehörten dazu. Die Eigentümer waren die zwei vornehmen Stadtherren, Johann Ludwig Hirtzel, der Statthalter, und Hans Jacob Hirtzel. Das Ehepaar hatte das Wirtshaus mit der günstigen Lage am See, welches Schiffsleute zu einer Stärkung vor der Weiterfahrt oder zu einer Übernachtung einlud, gerade im rechten Moment gekauft, denn das ehemalige Haus, das vordem noch nicht mit dem Turm, der vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammt, verbunden war, war um 1700 schon baufällig geworden und wurde von den Stadtzürchern Patriziern abgerissen. So kam, kurz bevor Heinrich Guggenbühl zum Besitzer der “Sonne“ wurde, ein Anbau zum Turm hinzu. Seit Heinrich Guggenbühl der Wirt der Sonne war, blieb die Landwirtschaft immer im Besitz der Familie Guggenbühl. Jeder nachfolgende Sohn, der die Erbschaft antrat, verhalf dem Hause zu grösserem Ansehen und die Sonnenwirte bekleideten nebst dem Wirtsberuf oftmals auch weitere redliche Ämter, sie waren Feldschreiber und Säckelmeister, Pfleger, Geschworene oder Gemeindepräsidenten. Bekannt für die erstklassigen Hochzeitsessen war die Sonne schon zu jener Zeit und ein Anziehungspunkt für festliche Gesellschaften.

 

Die “Sonne“ hat jedoch im Verlaufe der Jahrhunderte noch ganz andere Entwicklungen erlebt. Ich erinnere mich, wie mir Herr Guggenbühl-Brunner an einem Abend in der ersten Woche, in welcher ich bei der Sonne angestellt war, mit viel Stolz von der bedeutenden Vergangenheit zu erzählen wusste.

Im Kriegsjahr 1799, während der ersten Schlacht von Zürich, quartierte General Massena einen Teil seines Militärstabs im Hotel Sonne ein, und auch 1804, im Jahr des Bockenkriegs, wurden eidgenössische Truppen in diesem Haus untergebracht.

Dann, im Laufe des 19. Jahrhunderts, als die Reisen zum Vergnügen unternommen wurden und besonders das Reisen in die schöne Schweiz mit ihren Alpen und ihren bekannten Wallfahrtsorten oder Kurorten eine immer populärer werdende Abwechslung zum Alltagsleben bot, entdeckten die Touristen auch den Zürichsee. So wurde das Gasthaus Sonne immer weiter ausgebaut: es kam eine Trotte hinzu, ein Nebengebäude mit einer Brennerei wurde gebaut und die Bestallungen wurden durch eine Scheune erweitert. Das Gasthaus beschäftigte nicht viele Leute. Neben den Familienmitgliedern arbeiteten hier einige Frauen und Männer aus der Landwirtschaft und verschiedene Aufträge wurden an Handwerker oder Tagelöhner vergeben.

Ich lauschte gespannt und aufmerksam, wie Herr Guggenbühl-Brunner berichtete, dass man sich in der Sonne zum Informationsaustausch traf oder um Geschäfte zu besprechen. Man traf sich mit politisch Gleichgesinnten. Der politische Widerstand nahm tatsächlich in den Gasthöfen seinen Anfang.

Die Oberschicht, die es sich leisten konnte, kam auch unter der Woche zu einem guten Abendessen hierhin, den weniger Vermögenden war dies nur am Wochenende vergönnt. Zwei schöne Säle im Turm standen den Herrschaften der Stadt zur Verfügung, während für die Gäste vom Land ein nüchtern getünchter Raum im zweiten Stock vorgesehen war.

Ab der Staatsumwälzung 1830 bemerkte der scharfsinnige Sonnenwirt, Hans Caspar Guggenbühl, dass diese Trennung nach sozialen Schichten nun nicht mehr gerechtfertigt war, und so baute der zukunftsgläubige Mann 1838, nachdem die Seestrasse, die noch mehr Gäste zur Sonne führte, fertiggebaut war, einen neuen Tanz-und Festsaal. Ein Jahr später eröffnete er die angebaute Essigfabrik, vergrösserte den Wirtschaftsgarten und den Schiffsteg. Nachdem Hans Caspar Guggenbühl die Sonne, neben seinem Amt als Gemeindeoberhaupt, 33 Jahre lang beflissen geführt hatte, beschloss er, den Selbstversorgungsbetrieb unter seinen Kindern aufzuteilen, und die Leitung übertrug er 1869 seinem Sohn Eduard, eben dem Eduard, der mich angestellt hatte.

 

Bei meiner Anstellung 1893 war Eduard Guggenbühl-Brunner bereits ein älterer Herr und es war nur ein knappes Jahr vergangen, als sein einziger Sohn, Eduard Guggenbühl-Müller, der zweite mit diesem Vornamen, der Gemeinderat und Oberleutnant in der Armee war, seine Aufgabe als “Sonnen”wirt übernahm. Er war nicht minder bewundernswert als sein Vater, machte er sich doch gleich nach seinem Antritt an wichtige Aufgaben: war ich stolz, dass ich bei der fortschrittlichen Einrichtung des elektrischen Lichts zusehen durfte! Solche modernen Veränderungen kannte ich von zu Hause aus nicht und staunend beobachtete ich die Arbeiter, die dieses magische Licht mit sich brachten, ein Phänomen, das ich nicht zu verstehen vermochte.

Zu dieser Zeit kamen Eduard Guggenbühl-Müllers Söhne, Eduard, der ältere, gefolgt von Walter, dem jüngeren, dem Lausejungen, zur Welt. Ich bewunderte damals, wie eng die Familie Guggenbühl mit einflussreichen Männern verbunden war, denn Walter war das Patenkind von Herrn Abegg-Arter, einem sehr einflussreichen Finanzmann der Schweiz. Heute noch muss ich schmunzeln, wenn ich daran zurückdenke, wie Walter das Gesicht verzog, wenn sein Vater ihn an einem der Abende an dem Herr Abegg-Arter hier speiste, aufforderte: „Sag deinem Götti und dem Herrn Kommerzienrat Rathenau- oder dem Herrn Direktor von Siemens- auch guten Tag!“ Auch wird mir immer in Erinnerung bleiben, wie der lebhafte junge Walter eines Tages beim Herumtollen vor dem Gasthof mit August Bebel, dem deutschen Politiker und Begründer der organisierten sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, zusammenstiess. Der ältere Herr konnte sich gerade noch an einem der grünen Fensterläden festhalten, um nicht zu stürzen. Jemand gab dem Flegel dafür eine saftige Ohrfeige!

 

Damals waren in der Sonne neben dem Knecht nur Frauen als Zimmermädchen, Dienstmädchen und Köchinnen angestellt, und auch von ihnen nur wenige, ich war erstaunt, wie viele Arbeiten die Familie selbst verrichtete. Prägend für mich waren die jungen weiblichen Angestellten, denn ich schwärmte heimlich für Eine von Ihnen. Diese Bediensteten stammten oft aus der ländlichen Schweiz oder angrenzenden Regionen aus dem Ausland und sahen die Anstellung in Küsnacht als eine Möglichkeit, sich zu entfalten und soziale Kontakte zu knüpfen. Ich war viel zu schüchtern, das Mädchen, das mir den Kopf verdrehte anzusprechen, aber ich spähte ihr oft hinterher und spürte, dass ihr diese Arbeit eine gewisse Ungebundenheit verlieh und da sie recht hübsch war, verdiente sie ein hohes Trinkgeld. Es gefiel mir nicht, dies mitanzusehen, denn ich wusste, dass sie durch dieses Trinkgeld zu Freiheiten kam, die ihr nicht gut taten. Wenige Jahre später sollte eine im Kanton Zürich aufgestellte „Schutzbestimmung für weibliches Wirtschaftspersonal“ die Lebensbedingungen, Löhne und Arbeitszeiten der weiblichen Erwerbstätigen regeln und dem „sittlichen Verfall“, den „moralischen Missständen“ im Umgang mit den Dienstmädchen entgegenwirken, aber ich jedenfalls merkte keinen spürbaren Unterschied.

Zwölf Jahre nach meiner Anstellung als Küchenjunge in der “Sonne” wurde mir im Jahre 1905, da war ich 24 Jahre alt, gekündigt. Nicht, weil man nicht mit mir zufrieden gewesen wäre, sondern weil es mich schlicht nicht mehr brauchte. Der Abschied fiel mir besonders schwer, weil die “Sonne” meine Idylle geworden war, mit dem sowohl weltlichen als auch göttlichen Namen, den sie trug, der an den französischen Roi Soleil erinnerte und für mich das Urbild der göttlichen Kraft war. Doch ich kannte die Launen des Berufes in der Gastronomie und ich fand die haushälterische Art, wie die Familie Guggenbühl Bedienstete anstellte vorbildlich und nahm ihr diese Kündigung nicht übel. Schweren Herzens verliess ich das fröhliche Haus und suchte mich in der Umgebung nach einer andern Arbeit um, jedoch sorgte ich dafür, nicht zu weit weg zu gehen, denn in mir schwebte immer die Hoffnung, bei Bedarf meine Arbeit in dieser Idylle wieder aufzunehmen.

 

Niemals hätte ich erwartet, dass ich schon sechs Jahre später wieder in der “Sonne” arbeiten könnte! Vor dem 1. Weltkrieg kamen die Hotelgäste aus aller Welt: Anwälte, Kaufleute, Ärzte, Lehrer, Handwerker und Künstler aus England, Frankreich, Deutschland, Italien und manchmal sogar aus Amerika kamen jetzt hier zu Besuch. Wegen meines Asthmas wurde ich während des 1. Weltkrieges nicht zum Dienst aufgeboten und so erlebte ich auch die Lebensmittelknappheit während dieser Zeit mit.

Recht oft kehrte damals ein unscheinbarer, mittelgrosser Mann mit graumeliertem Spitzbart und Glatze mit seiner Frau hier ein. Das Paar setzte sich immer an den zweiten Tisch rechts und die Frau, die der Mann Krupskaja, was ungewohnt in meinen Ohren tönte, nannte, breitete sorgsam ihren weiten Faltenjupe aus, bevor sie sich setzte. Der Mann kam dann jeweils ans Buffet und sagte höflich: „Geben Sie mir bitte noch zwei Brötchen und etwas Konfitüre.“ Und am Tisch strich ihm die Frau fürsorglich seine Weggli. Mit seinem leicht mongolischen Aussehen regte dieser Herr zu Gerede beim Personal an. Eine Serviertochter meinte, sie kenne den Mann gut, er halte oft in der „Eintracht“ am Neumarkt in Zürich sozialistische Vorträge und sie glaube, er sei Schneidermeister und wohne in der Spiegelgasse. Erst später erfuhr ich, dass dieser regelmässige Besucher Lenin in Person war.

Da fällt mir ein, dass einmal, im Jahre 1918, sogar der König von Griechenland mit einer zirka zehnköpfigen Gesellschaft die “Sonne” besuchte. Ich wurde Zeuge davon, wie Walter, der inzwischen ein junger Mann geworden war, für die schöne Prinzessin Helene, die später unglückliche Königin von Rumänien werden sollte, in der Telefonkabine einen Anruf tätigen musste. Das war einer dieser Augenblicke, wo mir bewusst wurde, wie einzigartig es war, in diesem Gasthaus zu arbeiten. Ich könnte noch viele weitere berühmte Gäste der “Sonne” aufzählen, wie Frank Wedekind, Franz Kafka oder George Clémenceau, doch die Liste würde niemals enden…

1918 verstarb Eduard Guggenbühl-Müller an der Grippe, was uns alle, die ihn gekannt hatten, schwer betrübte. Ich bewunderte aber die Seelenstärke der Familie, die den Betrieb ohne das Familienoberhaupt solide weiterführte. In den Sälen der “Sonne” fanden weiterhin die schönsten Bälle, Theatervorstellungen, Feiern von Sport- und Musikvereinen mit Tombola und zur Frühlingszeit Maskenbälle oder Fastnachtsfeste statt. Im Jahre 1922 übernahm der älteste Sohn, Eduard, der Gemeindepräsident wurde, mit seiner aus einer grösseren Wirtsfamilie stammenden Frau Martha die Leitung der “Sonne”. Er war ein zielbewusster Mann und erlaubte Franz Lehar nicht, sich längere Zeit in der “Sonne” einzuquartieren, weil dieser unbedingt seinen Flügel mit ins Zimmer nehmen wollte und Eduard eine Störung der Zimmernachbarn befürchtete.

Für mich wehte unter Frau Martha Guggenbühls Führung ein anderer Wind, sie liess uns Angestellten spüren, dass sie immer fähig war, uns zu entlassen, und verlangte ein „moralisches und sittliches Verhalten“ von uns. Ich für mein Teil war aber sehr anpassungsfähig und hatte eine gute persönliche Beziehung zu ihr aufbauen können. Ich hatte grossen Respekt vor dieser Frau, die zum Beispiel für das Fastnachtsfest von der Reinigung und Instandsetzung der Säle über die Einladungen, über die Zusammenstellung des Menus bis hin zur Zubereitung des speziellen Fastnachtkuchens alles allein bewerkstelligte.

Ich durfte miterleben, wie sich die Familie Guggenbühl erweiterte: drei fröhliche Kinder Rosmarie, Werner und Elsbeth trieben ihren Spässe in diesem Haus und ich genoss es als älterer Mann noch viel mehr als früher, dem unschuldigen Spiel der Kinder zuzusehen. Auch die Belegschaft hatte sich verändert: viele deutsche Dienstmädchen arbeiteten zu dieser Zeit in der “Sonne”. Neuerdings gab es auch einen „runden Tisch“, an dem sich die bekanntesten Männer von Küsnacht trafen und wichtige politische und kulturelle Fragen besprachen. Doch bald veränderte sich das Publikum: immer mehr Juden suchten im Hotel “Sonne” Unterkunft und die deutschen Dienstmädchen kehrten zunehmend in ihr Heimatsland zurück, weil der Führer sie brauchte. Ich erinnere mich an die Familie von Gülich, die seit 1931 ihren Sommerurlaub in der „Sonne“ zu verbringen pflegte. Doch 1933 und 1934 beklagte sich die Familie über die „Invasion der Juden“ und sie mussten ihren Kindern den Umgang mit den verwilderten Judenkindern, vor allem den Kindern des bekannten Schriftstellers Alfred Kerr, die unter den Platanen im Hotelgarten „ihr Unwesen trieben“, verbieten. Ein Jahr bevor ich meinen Dienst in diesem Haus endgültig beendete, zog Thomas Mann als Emigrant aus Deutschland nach Küsnacht und speiste mit seiner Familie oft in der “Sonne”, allerdings immer im „hinteren Restaurant“.

 

In diesen letzten Jahren hörte ich immer wieder, wie Martha Guggenbühl ihre Kinder mit dem Satz „Was dänked ächt d Lüt“ schalt. Ich merkte, wie dieses Bewusstsein, immer beobachtet zu werden, bei der Mutter Guggenbühl, die ja auch Ehefrau des Gemeindepräsidenten war, immer präsent war und den Kindern missfiel. Oft schaue ich mir in diesen letzten Tagen die liebenswerten Kinder Guggenbühl an. Ob die ständige Erinnerung daran, was die Leute über einen denken, die richtige Art des Erziehens ist, vermag ich nicht zu beurteilen, doch ich sehe, wie die Jüngsten der Guggenbühls goldrichtig grosswerden, und spüre eine tiefe Zuneigung zu diesen Kindern, von deren Urgrossvater ich eingestellt wurde, und ich kann mich selbst nur überglücklich schätzen, bei dieser achtbaren Familie meinen letzten Arbeitstag zu erleben.

 

 

 

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in der Gemeinde Küsnacht